Prinzipientreu und Aufmüpfig?

Rauchverbot

Ob dies ein unfreiwilliger Beitrag zum Thema Prinzipientreue und Aufmüpfigkeit ist, die Interpretation sei jedem selbst überlassen.

Ja, ich bin Nikotin und Koffeinsüchtig. Beide Substanzen waren während meiner Jugend in Deutschland praktisch universell akzeptiert. Der Artikel ist in Ordnung, damit muss ich leben – eigentlich sollte man als „Politiker“ mit gutem Beispiel vorangehen. Damit, dass meine Rauchgewohnheit einmal in der Presse thematisiert wird, und ich damit zu einem schlechten Beispiel werden könnte, hatte ich nicht gerechnet. Besonders Leid tut es mir für den gezeigten „Bürger“ – der mit dem schwarzen Balken vor den Augen ja fast als „Verbrecher“ dargestellt ist.

Zum Thema „Gesetzeskonformität“ muss ich weiterhin erklären, dass ich nicht perfekt bin, sondern ein Mensch wie jeder andere. Ich habe schon Gesetze übertreten. Ich bin schon bei rot über Ampeln gelaufen, habe schon falsch geparkt und bin schneller gefahren als es konkret erlaubt war – entweder fahrlässig, weil ich zu dumm war zu kapieren dass dort etwa Parkverbot ist – oder – vorsätzlich wenn ich dachte, dass es niemand sieht und folglich niemanden stören kann. Wer da ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Ich rate jedem Nichtraucher, besonders den Jugendlichen, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Es wird schnell zu einer dummen Angewohnheit und bringt nicht besonders viel. Die Entscheidung ob und wie viel man raucht bleibt allerdings bis auf weiteres jedem Volljährigen selbst überlassen und das finde ich auch richtig.

Ansonsten handhabe ich mein Rauchverhalten normalerweise so:

1. In Räumen von Nichtrauchern rauche ich nicht, außer wenn sie ausdrücklich nichts dagegen haben.

2. In Gegenwart einer geringen Anzahl von Menschen frage ich, ob jemand etwas dagegen hat, wenn ich rauche.

3. In Gegenwart von vielen Menschen rauche ich, wenn schon jemand anders raucht, aber nur so lange, bis jemand mich ernsthaft darum bittet, aufzuhören.

Das ist nun wohl der Beitrag zum Thema Ehrlichkeit. Ist dieses Verhalten für Sie akzeptabel? Ich freue mich auf eine spannende Diskussion auf dieser Seite.

Im Übrigen wünsche ich allen Lesern dieser Seite ein gesegnetes Weihnachtsfest!

10 Gedanken zu „Prinzipientreu und Aufmüpfig?

  1. Sind dem Wochenblatt die richtigen Nachrichten ausgegangen oder warum wird jetzt über solche Nebensächlichkeiten berichtet? Es ist ja nun nicht grade ein Kapitalverbrechen, sich ne Zigarette anzustecken.

  2. Naja. Grundsätzlich interessiert es die Leute natürlich, wenn Politiker „Wasser trinken und Wein saufen“ – das lässt Rückschlüsse auf deren Aufrichtigkeit zu – und bestätigt im Zweifel die bösen Klischees. Den Schuh zieh ich mir natürlich nicht an.

    Im Moment streben CDU und FDP Fraktion im Stadtrat allerdings ein Verfahren gegen Oliver Berten an, wo es hauptsächlich darum geht festzustellen, dass es rechtswidrig war, dass er ständig aus den vertraulichen Sitzungen des Verwaltungsausschusses geplaudert hat. Würde mich nicht wundern, wenn irgendwer das mit dem in der Tat rechtswidrigen Rauchen in der Stadthallenlobby vermischen würde.

    Der Unterschied liegt aber nicht nur darin begründet, dass diese Verstöße gegen die Amtsverschwiegenheit – logischerweise – Amtsdelikte sind und direkt mit dem Ratsmandat in Verbindung stehen, sondern auch im Unrechtsgehalt.

    Die VA Sitzungen sind ja deshalb nicht-öffentlich, weil da Verwaltungsentscheidungen getroffen werden sollen – die meisten Kommunalpolitiker kapieren gar nicht, dass das KEINE politischen Entscheidungen sind, sondern sie behördliches Ermessen im Sinne des Verwaltungsverfahrensgesetzes auszuüben haben und sonst gar nichts. (Im Reball-Genehmigungsstreit ist das meiner Ansicht nach Fraktionsübergreifend völlig falsch gemacht worden – und eine politsche Entscheidung wurde verwaltungsrechtlich gerechtfertigt über Art. I der Menschenwürde).

    Wie auch immer: Wenn man dann im Verwaltungsausschuss – auch wenn man eigentlich völlig anderer Meinung ist – eine RECHTMÄßIGE Entscheidung fällen MUSS, und irgendwer so tut als sei das politisch gewollt und man würde sich nur nicht für oder gegen irgendwas einsetzen wollen, ist das nicht nur verboten sondern auch zutiefst moralisch verwerflich.

  3. Hallo Herr Ruschmeyer,

    was hat die Frage von Jan denn nun mit der Sache Berten zu tun? Ich finde es seltsam, wenn man auf die Frage ob der Zeitung die Nachrichten ausgegangen sind, soviel zum Thema Berten schreibt. Naja, es soll ihnen überlassen sein.

    Ich hoffe nur, Sie können sich auf die Sache konzentrieren und nicht auf andere zeigen, wenn Sie mal selbst schlecht da stehen. Im übrigen finde ich es nicht so schlimm, dass auf der Ratssitzung geraucht wurde.

    Schade finde ich, dass die Parteien sich auf dieser Sitzung so angiften. Ihre Rede am Schluss hatte ja auch mehr mit Wahlkampf als mit dem Thema zu tun.

    Ich würde mir wünschen, die Politiker besinnen sich und bringen sich wieder etwas mehr Respekt entgegen.

    Gruß und frohe Weihnachten
    Peter

  4. Meine Frage war ja doch eher rein rethorischer Natur und sollte ein bisschen Presseschelte sein. Ihrem Post, Peter, entnehme ich, dass sie das grundsätzlich ähnlich sehen und diese Tatsache nicht unbedingt nötig getan hätte.

    Na klar will „das Volk“ sowas lesen. Aber predigen die hier „weinsaufenden“ Stadtrats-Parlamentarier denn wirklich Wasser, was das Rauchverbot angeht? Ich dachte das hätte die Landesregierung verbockt, weshalb der Stadtrat sich dem ja nicht zwangsläufig kritiklos gegenüber stellen muss und man von Seiten der Presse auch den zivilen Ungehorsam gegen überflüssige Gesetze hätte loben können. So nach dem Motto „wenigstens die Winsener sind vernünftig“.

    Schade, dass ich die Sitzung verpassen musste (extra dafür aus Baden-Württemberg anzureisen wär dann doch übertrieben gewesen, denke ich), scheint ja recht unterhaltsam gewesen zu sein. Schlecht beurteilen kann ich darum aber, wieviel von dem was dort gesagt wurde man als Wahlkampf abtun kann oder sollte. Andererseits kann ichs kaum jemandem verdenken, solche Foren zu nutzen um seine Meinung zu sagen, die natürlich immer auch irgendwo Wahlkampf ist. Aber wo sonst, wenn nicht in einem Parlament, sollte der Platz für Wahlkampf sein? Das darf Sachlichkeit natürlich aber nicht völlig verdrängen, auch klar eigentlich.

  5. Lieber Peter,
    Sie haben grundsätzlich Recht. Eine Verbindung hier gibt es nicht. Jans Frage hatte ich schon als eine rhetorische Verstanden.
    Allerdings war auf der Ratssitzung im Zusammenhang mit der „Bertenaffähre“ viel Wert darauf gelegt worden, dass rechtswidrig nun mal rechtswidrig ist – daher der Versuch den Unterschied klar zu machen. Fand, das war keinen eigenen Artikel wert – deshalb habe ich es in diesen Kommentar „gemogelt“. Fakt ist aber, dass die Zusammenarbeit im VA durch die Verschwiegenheitsverletzung gestört ist.

    Noch kurz zur Sache, es wurde natürlich nicht auf der Ratssitzung geraucht sondern am Rande/in der Pause im Foyer.

    Im übrigen freue ich mich sehr über Kommentare hier die nicht meinem „engeren Dunstkreis“ entstammen. Danke dafür!

    Ihnen und Ihren Lieben auch schöne Weihnachten!
    NR

  6. Hallo Nino,

    mich würde mal interessieren, wie Sie zum Thema Homosexualität und gleichgeschlechtliche Ehe stehen.

    Gruß
    Peter M.

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