Warum Entbürokratisierung?

Heute habe ich mit einem Bekannten gechattet, der es mehr mit Zahlen hat als ich:

xxx: bin beim ausfüllen einer arbeitsbescheinigung gem. §57 SGB II … Ich könnte kotzen, die beschäftigen sich damit, und es waren 6 Stunden für 48€ Lohn, mittlerweile 20 Seiten Papier !

Ich:
uff. naja dann bin ich mit meinen entbürokratisierungsplänen ja gar nicht falsch. typisch deutschland….

xxx:
ich kann problemlos rechnen/schätzen, daß für diese 48€ lohn 62% Sozial-und bearbeitungskosten also ca. 30€ angefallen sind, zzgl. ein Aufwand um mind. 1 Stunde über mehrere beamte aus diversen behörden, also nochmals mind. 30€, in summe 60€ Folgenschäden (das kann man nicht anders nennen) für 48€ Nettolohn, d.h.125% …

Provokante Thesen:
Wenn man nicht um jemanden zum Fegen zu beschäftigen einen Studierten Buchhalter braucht, dann gibt es auch wieder mehr Jobs für Geringqualifizierte! Wenn Arbeitgeber diese „Folgeschäden“ direkt an Geringqualifizierte auszahlen können erübrigt sich jede Mindestlohndebatte!

 

Deshalb Bürgergeld und große Steuerreform. Deshalb FDP!

4 Gedanken zu „Warum Entbürokratisierung?

  1. Ich bin xxx und möchte mein Leiden ergänzen:

    Obwohl ich 5 mal Geschäftsführer war, bzw. z.T. noch bin, mit über 400 angestellten, kann ich das scheiß Formular nicht mal verstehen.
    Außer, dass es schlichtweg arbeitsrechtlicher Blödsinn ist, nach einer Kündigungsfrist in Tagen-Wochen-Monaten („bitte ankreuzen“) nachzufragen, wenn bereits bekannt ist, dass der Arbeitsvertrag auf 6 stunden befristet war!

    Naja, Arbeit und „Agentur für Arbeit“ haben wohl nichts miteinander zu tun!

  2. zusätzliche Ergänzung:

    Ich bin nicht mal FDP-nah, sogar ganz und gar nicht … Aber wenn ich FDP-nahe Meinung vertrete, dann muss ich wohl dazu stehen. Jedoch zum „Provokante Thesen“ von Nino ist zu sagen, daß es mir keinesfalls darum geht, daß man nicht 15€ Sozialabgaben abführt – bin aber auch nicht SPD-nah, raten Sie mal …-, sondern daß man nicht zur bloßen Bearbeitung dieser 15€-Auszahlung weiteren 45€ ausgeben muss; damit rangiert offensichtlich Deutschland zwischen Ubu-Königsreich von Jarry und Kakanien von Musil …

  3. Schönes Beispiel ist es aber.. Verhältnismäßig bescheidene „soziale Wohltaten“ werden umverteilt – und an die bürokratischen Folgekosten denkt keiner. Das fängt im kleinen an – z.B. bei der Winsener Stadthalle, wo ich mich von morgens bis abends drüber aufregen könnte, dass die Stadtverwaltung sich jetzt damit befassen muss, die Zuschussanträge von Vereinen zu prüfen, und denen einen festen Betrag auszuzahlen, den die dann wieder an die Stadhalle abgeben müssen. So kann man Verwaltungen auch überlasten und mittelfristig aufblähen…

  4. „Aber wenn ich FDP-nahe Meinung vertrete, dann muss ich wohl dazu stehen.“

    Manche Beichten können verdammt weh tun, was;)

    Ich denke, dass das ein nettes Beispiel für die generelle Ineffizienz von Behörden ist, besonders wenn man die bis ins Letzte auf „Bürokratie statt Verstand“ eicht.

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