Winsen (Luhe), 6. Oktober 2025 – Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Winsen (Luhe) hat einen Antrag eingebracht, der die Umbenennung des westlichen Abschnitts der Straße „Uhlenbusch“ zwischen Bahnhofstraße und Brahmsallee in „Elsa-Stern-Gasse“ vorsieht. Ziel des Antrags ist es, eine eindeutige Adressierung zu ermöglichen und zugleich ein Zeichen des Gedenkens an eine bemerkenswerte Frau aus der Winsener Geschichte zu setzen.
„Mit der Umbenennung schaffen wir nicht nur Klarheit bei der postalischen Zuordnung, sondern setzen auch ein würdiges Zeichen für die Erinnerungskultur in unserer Stadt“, erklärt Nino Ruschmeyer, Vorsitzender der FDP-Fraktion. „Elsa Stern hat in einer Zeit größter Gefahr menschliche Größe und Haltung gezeigt. Dies sollte im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden.“
Doppelte Straßennamen sorgen für Verwirrung
Die Straße „Uhlenbusch“ existiert sowohl in Winsen als auch in Drage – beide mit der Postleitzahl 21423. Durch diese Doppelung kommt es regelmäßig zu Zustellproblemen bei Postsendungen und zu Fehlleitungen bei Dienstleistungen. Besonders betroffen sind die Hausnummern im westlichen Teil der Straße. Hinzu kommt eine verwirrende Hausnummerierung, die weder dem Berliner noch dem Pariser System entspricht.
„Für viele ist es reiner Zufall, ob ihre Post korrekt ankommt“, so Ruschmeyer weiter. „Das ist auf Dauer unzumutbar – gerade für die Gewerbetreibenden, aber auch für Notdienste oder Lieferdienste.“
Erinnerung an Elsa Stern als Namensgeberin
Mit dem neuen Namen „Elsa-Stern-Gasse“ soll eine Frau geehrt werden, die mit ihrem Ehemann Bernhard Stern ein Bekleidungsgeschäft an der Bahnhofstraße betrieb und 1941 in ein Vernichtungslager deportiert und ermordet wurde. Elsa Stern blieb trotz einer möglichen Schonfrist freiwillig an der Seite ihres jüdischen Mannes – ein Akt großer persönlicher Solidarität.
„Wir wollen bewusst eine Frau in den Fokus rücken, deren Name bislang über einen ‚Stolperstein‘ hinaus kaum sichtbar ist – obwohl sie mit ihrem Handeln große moralische Stärke bewiesen hat“, erklärt Ruschmeyer. „Die räumliche Nähe zum ehemaligen Wohn- und Geschäftsort der Eheleute Stern macht die Benennung umso passender.“
Weitere Maßnahmen vorgesehen
Die FDP schlägt vor, die betroffenen Anwohner*innen vor der endgültigen Beschlussfassung im Rat anzuhören. Zudem soll die Stadtverwaltung prüfen, ob weitere doppelte Straßennamen im PLZ-Gebiet 21423 bestehen und gegebenenfalls Gespräche mit der Samtgemeinde Elbmarsch führen. Auch soll geprüft werden, welche weiteren Straßenschilder mit sogenannten „Legendenschildern“ – kurzen biografischen Hinweisen – ergänzt werden könnten.
Kulturpolitische Initiative mit Weitblick
Der Antrag wird zunächst im Kulturausschuss beraten. Die endgültige Beschlussfassung im Rat soll laut Vorschlag der FDP in der ersten Sitzung des Jahres 2026 erfolgen, um ausreichend Zeit für Beteiligung, Planung und Umsetzung zu gewährleisten.
„Wir möchten nicht einfach nur eine Straße umbenennen. Uns geht es um eine ausgewogene Entscheidung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger – und um ein Signal für eine lebendige, verantwortungsbewusste Erinnerungskultur“, so Ruschmeyer abschließend.